Doktor Schiwago
Musical von Lucy Simon
Zum Stück
Schöne Bescherungen
Komödie von Alan Ayckbourn
Zum Stück
Die Tage, die ich mit Gott verbrachte
Theaterstück von Axel Hacke
Zum Stück
Grimm!
Junges Musical von Peter Lund und Thomas Zaufke / Ab 14 Jahre
Zum Stück
Biedermann und die Brandstifter
Schauspiel von Max Frisch
Zum Stück
Tigermilch
Schauspiel nach dem Roman von Stefanie de Velasco / Ab 15 Jahre
Zum Stück
Orpheus und Eurydike
Oper von Christoph Willibald Gluck, gesungen in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Zum Stück
Singin' in the Rain
Musical von Betty Comden, Adolph Green, Nacio Herb Brown und Arthur Freed
Zum Stück
Schneewittchen und die sieben Zwerge
Familienballett von Olaf Schmidt nach dem Märchen der Brüder Grimm
Zum Stück

Vorwort 2019/120

„Die Freiheit, frei zu sein.” (Hannah Arendt)

Hannah Arendt spricht von der Freiheit als die Chance, neu zu beginnen. Was sind für euch in der kommenden Spielzeit Momente eines solchen Neubeginns?

Theaterarbeit ist ein permanenter Neubeginn, darin ist sich das Lüneburger Leitungsteam einig. Hilke Bultmann beschreibt es so: „Frei werden von überholten Gedanken, Freiheit von einengenden Grenzen, sich freimachen von Glaubenssätzen. So bleiben wir wach und offen für das, was wir abbilden, einfangen und kommentieren wollen.“ Olaf Schmidt hält sich an Friedrich Schiller: „Die wahre Kunst aber hat es nicht bloß auf ein vorübergehendes Spiel abgesehen, es ist ihr Ernst damit, den Menschen nicht bloß in einen augenblicklichen Traum von Freiheit zu versetzen, sondern ihn wirklich und in der Tat frei zu machen.“ Für Thomas Dorsch „eröffnet jedes Werk einen Reigen an ungeahnten Möglichkeiten der Deutung. Das ‚Aufschließen’ der innewohnenden Strukturen und Schönheiten erfüllt das Sein eines Musikers in jedem Moment neu.“ Hajo Fouquet fällt vor allem DER FLIEGENDE HOLLÄNDER ein: „Diese Figur darf alle sieben Jahre einen Neubeginn, einen neuen Versuch starten. Der Holländer sucht nach der Erlösung durch eine Frau und begreift nicht, dass er selbst erst einmal sein eigener Herr, sein eigener Retter sein müsste.“ Und auch Sabine Bahnsen gibt ein konkretes Beispiel aus dem Spielplan des T.3: „Die Geschichte von Maulina Schmitt erzählt von einem, wenn auch schmerzlichen, Neuanfang: Nach der Trennung ihrer Eltern muss sie sich in einer neuen Umgebung und mit ihrer von Grund auf veränderten Situation zurechtfinden. Wie sie das schafft, mit Mut, Fantasie und unglaublicher Energie um ihr persönliches Happy End kämpft, davon erzählt das Stück.“

Habt ihr den Eindruck, unsere Arbeit am Theater insgesamt, oder deine Arbeit ganz persönlich, ist in der letzten Zeit „politischer“ geworden?
Für Olaf Schmidt wird es zunehmend wichtiger, „als Theater nicht nur in unserer künstlerischen Arbeit, sondern auch durch Aktionen wie ‚Die Erklärung der Vielen’ politisch Stellung
zu beziehen.“ Hajo Fouquet stimmt zu: „Eindeutig, ja. Die Menschen in der Gesellschaft werden wieder laut: Jugendliche demonstrieren, Frauen fordern Achtung und Respekt. Und auch in unserer eigenen Arbeit sehen wir ein verstärktes Interesse, sich auch mit den vermeintlich schwierigen Themen auseinanderzusetzen. VIEL GUT ESSEN und DIE OPFERUNG VON GORGE MASTROMAS sind in der zurückliegenden Spielzeit Publikumsrenner geworden!“ „Unsere Arbeit stand noch nie im luftleeren Raum“, sagt Hilke Bultmann, „denn mitzudenken, in welchem und für welches gesellschaftliche Umfeld wir Theater machen, war schon immer eine Voraussetzung für die Theaterarbeit im Allgemeinen und für unsere Stückauswahl ganz konkret.  Im Schauspiel tun wir das neben den Produktionen, indem wir mit dem ‚Blauen Stuhl‘ eine Reihe ins Leben gerufen haben, die Raum für Austausch bietet – über Stücke, über Bücher, über das, was uns gerade beschäftigt. Aber Anlasse, sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen.““ Und auch für Sabine Bahnsen ist die Arbeit schon seit  Jahren politisch. „Das Interesse, von gesellschaftlichen und politischen Themen zu erzählen, über den Tellerrand zu schauen, auch Themen wie Gewalt und Mobbing als politisch zu begreifen – das ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit im T.3.“

Wo liegt für euch der künstlerische Schwerpunkt in der kommenden Spielzeit?
Hajo Fouquet denkt an das Theater Lüneburg in seiner ganzen Vielfalt: „Es macht mich glücklich und stolz, dass wir es geschafft haben, in wirklich allen Sparten gleichermaßen erfolgreich zu sein.“ Und Olaf Schmidt blickt auf seine Kompanie: „Wenn es mir gelingt, das technische und künstlerische Niveau sowie die gute Zusammenarbeit mit der Ballettkompanie zu erhalten und, wo möglich, zu verbessern, dann haben wir zugleich die besten Chancen geschaffen, mit großer Freiheit an den Themen und Stücken zu arbeiten.“ Aus Sicht des Schauspiels liegt der künstlerische Schwerpunkt in der Beschäftigung mit der eigenen Geschichte, sagt Hilke Bultmann: „Wie sind wir zu dem geworden, was wir jetzt sind? Die bitterböse Komödie SEIN ODER NICHTSEIN beispielsweise entlarvt in Form einer Groteske den Führerkult des NS-Regimes und erzählt gleichzeitig von dem Glauben an die
Menschlichkeit. Und das Gegenwartsdrama AUS STAUBführt uns durch die bundesrepublikanische Geschichte.“ Thomas Dorsch schaut mit den Symphonikern auf Europa: „Dieses Sujet bietet quasi die Grundfrage für das gesamte Programm des Orchesters, alle Fragen erschließen sich aus diesem Kontext.“ Für Hajo Fouquet steht fest: „Unabdingbar ist es für die
Kunstschaffenden, ohne Grenzen und Schranken denken und gestalten zu dürfen. Dass unsere Künstler*innen zudem den Blick mit Respekt auf unser Publikum richten, macht sie erfolgreich. Somit garantiert die Freiheit der Kunst spannende und natürlich auch unterhaltsame Theaterbesuche, zu denen ich Sie in der kommenden Spielzeit herzlich einladen darf!“

Das Interview führte Friedrich von Mansberg.