Eine Woche voller SAMStage
Familienstück nach dem Roman von Paul Maar / ab 6 Jahre
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Hänsel und Gretel
Oper von Engelbert Humperdinck
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Tschick
Schauspiel nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf / Ab 14 Jahre
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Sugar - Manche mögen's heiss
Musical von J. Styne, Buch von P. Stone nach dem Film SOME LIKE IT HOT von Billy Wilder und I. A. L. Diamond, basierend auf einer Story von R. Thoeren, Gesangstexte von B. Merrill, Musik von J. Styne
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Der Vorname
Komödie von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière
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Die Hochzeit des Figaro
Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Libretto von Lorenzo da Ponte
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Augusta
Schauspiel von Richard Dresser
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Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat
Junges Musical von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice / ab 13 Jahre
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Die Tür nebenan
Französische Romantik-Komödie von Fabrice Roger-Lacan / Gastspiel
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Der Kontrabass
Theaterstück von Patrick Süskind
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Die Comedian Harmonists
Revue von Gottfried Greiffenhagen und Franz Wittenbrink
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Der Schwächere
Schauspiel von Mattias Andersson / Ab 10 Jahre
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Aladin
Familienballett von Olaf Schmidt nach den "Geschichten aus Tausendundeiner Nacht"
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Schneewittchen und die sieben Zwerge
Familienballett von Olaf Schmidt nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm
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Viva la Diva
Liederabend von und mit Philip Richert
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Vorwort 2017/18

Wir können immer wieder anfangen

Demokratische Geschichte wird von allen gemacht. Eine demokratische Geschichte erzählen alle. Nicht nur die professionellen Erzählerinnen und Erzähler. Da ist jede und jeder relevant, alte Menschen und junge, die mit Arbeit und die ohne, die mit mehr und die mit weniger Bildung, Drag-Queens und Pastoren, Unternehmerinnen oder Offiziere, Rentnerinnen und Studenten, jede und jeder ist wichtig, um eine Geschichte zu erzählen, in der alle angesprochen und sichtbar werden. Dafür stehen Eltern und Großeltern ein, daran arbeiten Erzieher und Lehrerinnen in den Kindergärten und Schulen, dabei zählen Polizistinnen und Sozialarbeiter sowie Clubbesitzerinnen und Türsteher. Diese demokratische Geschichte eines offenen, pluralen Wir braucht Bilder und Vorbilder, auf den Ämtern und Behörden ebenso wie in den Theatern und Filmen — damit sie uns zeigen und erinnern, was und wer wir sein können.

Wir dürfen uns nicht nur als freie, säkulare, demokratische Gesellschaft behaupten, sondern wir müssen es dann auch sein.

Freiheit ist nichts, das man besitzt, sondern etwas, das man tut.

Säkularisierung ist kein fertiges Ding, sondern ein unabgeschlossenes Projekt.

Demokratie ist keine statische Gewissheit, sondern eine dynamische Übung im Umgang mit Ungewissheiten und Kritik. Eine freie, säkulare, demokratische Gesellschaft ist etwas, das wir lernen müssen. Immer wieder. Im Zuhören aufeinander. Im Nachdenken über einander. Im gemeinsamen Sprechen und Handeln. Im wechselseitigen Respekt vor der Vielfalt der Zugehörigkeiten und individuellen Einzigartigkeiten. Und nicht zuletzt im gegenseitigen Zugestehen von Schwächen und im Verzeihen.

Ist das mühsam? Ja, total. Wird das zu Konflikten zwischen verschiedenen Praktiken und Überzeugungen kommen? Ja, gewiss. Wird es manchmal schwer sein, die jeweiligen religiösen Bezüge und die säkulare Grundordnung in eine gerechte Balance zu bringen? Absolut. Aber warum sollte es auch einfach zugehen?

Wir können immer wieder anfangen.
Was es dazu braucht?

Nicht viel: etwas Haltung, etwas lachenden Mut und nicht zuletzt die Bereitschaft, die Blickrichtung zu ändern, damit es häufiger geschieht, dass wir alle sagen: Wow. So sieht es also aus dieser Perspektive aus.

Carolin Emcke, zitiert aus der Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2016, 23. Oktober 2016

Theater ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs. Ein Ort des Perspektivwechsels. Ein Ort, an dem geforscht wird, nach dem Wesen des Menschen, der Art und Weise, wie wir zusammenleben, uns verständigen. Ein Ort, an dem wir uns unserer Geschichten, unserer Vergangenheit erinnern und dabei jedes Mal feststellen, dass es unendlich viele verschiedene Geschichten gibt und unendlich viele verschiedene Arten, ein und dieselbe Geschichte zu erzählen. Und dass es niemals nur eine Vergangenheit gibt, sondern so viele Erinnerungen und Blickwinkel auf diese Erinnerungen, wie es Menschen gibt. Theater ist vielfältig, bunt, zuweilen widersprüchlich — so wie wir Menschen!

Jene Freiheit, von der Carolin Emcke spricht, die man niemals besitzen sondern immer wieder neu leben, tun müsse, was meint sie, wie wird sie lebendig im Theater? Hilke Bultmann sagt: „Das Theater zeigt Menschen, die darum ringen, Freiheit zu erlangen oder mit der Freiheit sinnvoll umzugehen. Häufig werden dabei Grenzen überschritten, weil verschiedene Sichtweisen oder Lebensvorstellungen aufeinandertreffen.“ Variationen dieses großen Themas finden sich im Spielplan des Schauspiels wieder, etwa im großen antiken Stoff MEDEA. „Medea ist eine Frau, die alles aufgibt, um einer besseren Zukunft entgegenzugehen, der aber alles genommen wird, auch die Freiheit. Warum Medea als Reaktion darauf das Extrem sucht, das gilt es herauszufinden. Denn auch das ist Teil der Aufgabe: danach zu fragen, warum Freiheit nicht klappt.“

„Etwas frei erfinden zu dürfen, ohne Einschränkung kreativ sein zu können, bedeutet für mich, mir meine eigenen Regeln und Gesetze erschaffen zu müssen und diese bei der Umsetzung einer Inszenierung auch einzuhalten“, sagt Olaf Schmidt und verweist gleichzeitig auf die Notwendigkeit von Regeln und Verabredungen: „Von einem Tänzer oder einer Tänzerin erwarte ich, dass er oder sie sich an die von mir geschaffenen Regeln und Anweisungen strikt hält. Je genauer diese Verabredungen eingehalten werden und, jetzt kommt das Wichtigste: Je freier der Tänzer oder die Tänzerin damit umgehen kann, desto besser wird die Darstellung. Freiheit bedeutet also nicht bloß ‚frei‘ zu sein, sondern damit umgehen zu können.“

Mit der Freiheit umgehen, das heißt für Sabine Bahnsen, die Freiheit des anderen in den Blick zu nehmen: „Ich muss den Anderen mitdenken, auch ihm seine Freiheit lassen und seine Eigenart, seine Besonderheit, sein Anderssein. Und das ist ein großes Thema im Jungen Theater — denn die Entdeckung des Ich geht immer auch mit der Erfahrung des Anderen oder des Andersseins einher. Und dabei geht es nicht immer friedlich zu — wie in DER SCHWÄCHERE, einem Stück, in dem der — scheinbar — Schwächere vom Stärkeren gemobbt wird, sich aber auch zur Wehr setzt, bis beide erkennen, dass sie mehr verbindet als trennt.“

Gibt es das, Freiheit in der Musik? Thomas Dorsch ist sich sicher: „Ja, es gibt Freiheit — in der musikalischen Interpretation, aber sie hat ihre Grenzen: Nehmen wir uns in der Gestaltung der Werke zu große Freiheiten, wird man ihre Bedeutung nicht verstehen und erkennen. Hält mansich aber buchstabengetreu an den Notentext ohne eigene Ideen einzubringen, ohne eine eigene Meinung zu entwickeln, so wird das Musikstück blutleer und langweilig. Freiheit bedeutet Beschränkung, aber Beschränkung ermöglicht Vielfalt!“

Aber dann ist da natürlich noch die Zweck-Freiheit, die Freiheit zu spielen, zu träumen, der Fantasie freien Lauf zu lassen. „Natürlich erzählen die beiden großen Opern der Spielzeit von Freiheit. Im FIGARO geht es um die Befreiung von der Willkürherrschaft eines Grafen, in CARMEN natürlich um die Freiheit der Liebe“, sagt Hajo Fouquet. Und er ergänzt: „Aber diese beiden wunderbaren Werke sind auch Beispiele dafür, dass noch so viel mehr in gutem Theater steckt: Theater kann einfach nur ein Fest sein der Fantasie und der Kreativität, einfach gute Unterhaltung. Theater darf man genießen!“

„Letztlich aber bedeutet Freiheit für mich Verantwortung“, sagt Intendant Hajo Fouquet noch. „Wir dürfen und müssen Verantwortung übernehmen für die (Spiel-)Räume, die sich eröffnen, und sie mit eigenen Ideen, Wünschen und Fantasien füllen, ohne dabei dritte einzuengen oder zu beschädigen.“ (vMa)