Chess

Musical von Benny Andersson, Björn Ulvaeus und Tim Rice


Kalte Krieger und heiße Herzen

Eine (kleine) Ewigkeit ist das her – die späten siebziger, die achtziger Jahre. Die Rollen waren verteilt, noch gab es die Guten und die Bösen, die, nicht weit von Lüneburg entfernt, hinter dem „eisernen Vorhang“ lebten und von dort aus Unheil über die Welt zu verbreiten trachteten. Die Konflikte zwischen den Guten und den Bösen wurden stellvertretend ausgetragen: bei olympischen Spielen kamen mal die einen aus Protest nicht (1980 in Moskau), mal die anderen (1984 in Los Angeles). Deutschland besiegte Sowjetrussland im Handball, die UdSSR triumphierte über die USA im Eishockey, die kleinen Siege wurden wie große gefeiert. Der Amerikaner Bobby Fischer spielte gegen den Russen Boris Spaski Schach.

Man hörte ABBA: Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die beiden ABBA-Männer, schrieben 1986 das Musical „Chess“ – Schach – in dem es genau darum geht. Im Duell um die Schachweltmeisterschaft treten ein Amerikaner und ein Russe gegeneinander an, und tragen den Ost- Westkonflikt gleich mit aus. Doch, es ist ein Musical, Liebe kommt ins Spiel. So bröckeln die Allianzen, verschwimmen Gut und Böse, Triumph und Niederlage wechseln, im Schach wie in der Liebe. Zwei Männer im Duell, eine Frau zwischen zwei Männern, später: zwei Frauen kämpfen um einen Mann. – „One Night in Bangkok“, „I Know Him So Well“, „Heaven Help My Heart“ – weltberühmte Musiknummern aus der Feder der Hitgaranten. Und dazu: ein spannender, bei allem historischen Bezug völlig heutiger „Liebes- Thriller“ – „Chess“ gehört zu den ganz großen Musicals unserer Zeit.